Freitag, 17. Dezember 2010

Tragische Konstellationen

Es gibt tragische Konstellationen im Leben, da möchte man seine Faust gen Himmel schwingen, und lauthals fragen: "Warum, du Arsch?!" Bevor ich das tatsächlich tue, fällt mir wieder ein, dass meines Erachtens niemand da oben ist (außer natürlich das fliegende Spaghettimonster, aber dem mag ich die Schuld auch nicht in die nudeligen Anhängsel schieben), und man alle Tragik auch einfach "Pech" nennen könnte. Außerdem sähe es ziemlich blöd aus, wenn ich sowas täte, und jemand bekäme es mit.

Die tragische Konstellation des Angestellten meines Mannes sieht nämlich so aus: Mutter verstorben, Vater kleinkriminell, gerade erst wegen Drogenschmuggeleien aus dem Gefängnis raus, er selbst im Heim aufgewachsen, seine jüngere Schwester immer noch dort, seine ältere Schwester hält sich irgendwie über Wasser. Alle schrubben am Existenzminimum entlang, vom Vater ist keine Hilfe zu erwarten. Eher nimmt der dem Sohn noch die Kröten weg, die er bei uns in seiner Ausbildung verdient. Der Junge macht soweit einen ganz netten Eindruck, aber besonders verlässlich ist er nicht. Mal arbeitet er ein paar Tage ordentlich in der Werkstatt, bekommt auch noch eine Portion von dem, was ich koche, damit er wenigstens mal was anständiges im Magen hat. Dann kommt er wieder ein paar Tage nicht, weil er daheim mit seinem Schicksal hadert, überlegt, ob er nicht vielleicht einen anderen Beruf lernen sollte, geht nicht an sein Telefon oder lässt sich verleugnen. Irgendwann kreuzt er dann wieder hier auf, mein Mann wäscht ihm den Kopf, so dass er wieder für eine Weile davon überzeugt ist, dass er besser damit fährt, diese Ausbildung durchzuziehen, um für sich und seine Schwestern Geld verdienen zu können. Keine zwanzig Jahre alt, aber die Last, für drei aufkommen zu müssen, auf den Schultern. Neulich kam er kleinlaut an und gestand, dass er nicht in seiner Wohnung schlafen wolle, solang er nicht das Geld für die Miete beisammen habe, um Stress mit dem Vermieter zu vermeiden. Also haben wir ihn eine Nacht hier einquartiert. Am nächsten Tag hat er dann seine ältere Schwester um Unterstützung gebeten und hier liegt noch so ein Hase im Pfeffer begraben. Die Schwester verkauft ihren Körper, um an ein bisschen Geld zu kommen, was für den Bruder eine schwere Belastung ist, Ehre und so, weißt schon. Aber genau dieses Geld muss er dann von ihr annehmen, um seine Miete bezahlen zu können. Das erinnert mich fatal an eine Geschichte aus "Mit dem Taxi nach Beirut": dort gibt es auch ein Geschwisterpaar, wo er von dem Geld lebt, das sie als Prostituierte verdient. Es endet damit, dass er die Schwester wegen ihres 'Lebenswandels' umbringt. Das wollen wir hier mal nicht annehmen, aber unangenehm ist das alles allemal. Und der merkbefreite zweite Angestellte, der jeden Tag um halb drei Mittagspause macht, um sich bei Muttern daheim bekochen zu lassen, wo er auch noch wohnt, fragt, warum wir dem anderen denn immer was zu essen geben. Hohlbirniger kann man wohl kaum fragen.

So sieht's aus, Geschichten, die das Leben schreibt. Ob diese ein Happy End nehmen wird, man weiß es nicht.

Linktipps IX

Petition zur Unterstützung von Wikileaks

5 Aspekte der aktuellen Wikileaks-Revolution

Wo Syriens Maggiwürfel herkommen

Syrien unter Atomwaffenverdacht


Vorige Nächste

Das Wort zum Freitag (17.12.)

"You see, it's been our misfortune to have the wrong religion. Why didn't we have the religion of the Japanese, who regard sacrifice for the Fatherland as the highest good? The Mohammedan religion too would have been more compatible to us than Christianity. Why did it have to be Christianity with its meekness and flabbiness?"
Adolf Hitler, quoted by Albert Speer, Inside the Third Reich: Memoirs, pg. 115

via Wikiquote

Watching The Wheels

... in Damaskus

Wikileaks

WikiLeaks

Suche

 

Aktuelle Beiträge

SEO Services
Ja beim Keywording kann man wirklich sehr viel Spaß...
Jon (Gast) - Do Dez 19, 15:01
Yasmina Khadra - Die...
Das Buch "Yasmina Khadra - Die Schuld des Tages an...
christian (Gast) - Mi Jun 29, 10:07
Ausgerechnet Necla Kelek...
Ausgerechnet Necla Kelek diese von Selbsthass zerfressene...
Henning (Gast) - Sa Jan 29, 17:00
Yasmina Khadra - Die...
Yasmina Khadra ist eigentlich ein Mann mit Namen Mohammed...
mia-meine-mia - Mo Jan 3, 08:27
Spaß mit Keywords...
15 Nov......12:57:45......www .google.com.......haus...
mia-meine-mia - Mo Nov 29, 03:28

Status

Online seit 2500 Tagen
Zuletzt aktualisiert: Do Dez 19, 15:01

Abakus

...

Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de

Blogverzeichnis

Firefox Download


Alltägliches
Begegnungen
Das Wort zum Freitag
Kartoffeln
Kulinarisches
Literarisches
Nicht Alltägliches
Pittoreskes
Sonstiges
Touristisches
Wirtschaftliches
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren