Montag, 20. Dezember 2010

Odyssee I

oder: Die Tücken einer internationalen Eheschließung

Ich habe Silvester 2009 geheiratet. Und zwar jemanden mit syrischer und libanesischer Staatsangehörigkeit. Ich bin Deutsche. Wir wohnen in Syrien. Wir haben im Libanon geheiratet. Dass diese Situation einiges an Papierkram mit sich bringen würde, war von vornherein klar. Aber ich hatte das Ausmaß gewaltig unterschätzt. Betrachtet mit mir den Weg von der Hochzeit bis zur Anerkennung derselbigen und der Ausstellung eines Visums für meinen Mann:*


Teil 1: Wie heiratet man einen Ausländer?

So, die Entscheidung ist gefallen: der Mann soll es sein. Aber wie stellen wir das nun an mit dem Heiraten? Es soll im Libanon sein, aber ich habe mich vor dieser Entscheidung schonmal auf der Webseite der deutschen Botschaft in Damaskus schlau gemacht, was man so alles braucht an Papieren, um legal heiraten zu können. Da hab ich aber auch gleich mit den Ohren geschlackert. Geburtsurkunde, Meldebescheinigung mit Religionszugehörigkeit, Ehefähigkeitszeugnis (was zur Hölle ist das überhaupt?) und dafür wiederum diverse Papiere des zukünftigen Gatten. Na das ist ja mal ein Anfang. Mal gucken, ob das im Libanon irgendwie anders (besser!) ist, aber auf der Seite der deutschen Botschaft im Libanon wiederum finde ich keine Angaben. Also rufe ich an. Man sagt mir, ich brauche eine Bescheinigung, dass ich ledig bin, z.B. die Meldebescheinigung des Wohnortes und eine Bescheinigung über meine Religionszugehörigkeit, am besten von der Kirche, aber dieses Ehefähigkeitsdingens bräuchte ich nicht.

Hey, das ist doch schonmal ein Fortschritt, ich freue mich und mache mich daran, diese Papiere zu organisieren. Klappt auch ganz einwandfrei, der Pastor stellt bereitwillig (und kostenlos! - wie ungewöhnlich kirchliche Großzügigkeit sein kann, sehen wir in einem späteren Teil...) eine Taufbescheinigung aus und die Meldebehörde macht auch keine Probleme, die Bescheinigung aus der Ferne auszustellen. Dann noch das ganze über DHL nach Damaskus gewuppt - für schlappe 60€ für die beiden Blätter Papier, dafür aber mit 48-Stunden-Versand. Trotzdem teuer. Naja, dann noch schnell übersetzen - wie erklärt man am besten, was eine Konfirmation ist, wenn der Übersetzer das nicht weiß und es sowas in den mittelöstlichen Kirchen nicht gibt? Und wenn er es dann irgendwie verstanden hat, wie übersetzt man ein Wort, das es im Arabischen so ja gar nicht gibt? Nun, er findet dann noch eine logische Formulierung, ich glaube er schrieb so etwas wie "Mia wurde am xx.xx.xxxx getauft und bekräftigte ihren Glauben im Jahr xxxx."

Nun kann also geheiratet werden. Und ich bin stolz wie Oskar, das mit den Papieren so ordentlich geregelt zu haben. Aber da wusste ich ja auch noch nicht, dass ich bislang nur einen kurzen Blick auf die Spitze des Eisbergs geworfen habe und das Papierkriegsmonster noch hämisch kichernd in der Ecke sitzt, bereit, bald zuzuschlagen...


*Mit der Ausstellung des Visums nach fast genau einem Jahr betrachte ich diese Episode als abgeschlossen, aber natürlich geht der Spaß mit Papieren in Deutschland noch weiter...

Die syrischen Wikileaks-Depeschen VIII

SYRIAN INTELLIGENCE CHIEF ATTENDS CT DIALOGUE WITH S/CT BENJAMIN

Da ist doch während eines syrisch-amerikanischen Gesprächs plötzlich, überraschend, der syrische Geheimdienstchef aufgetaucht. Der lässt sich sonst bei solchen Treffen nicht blicken, nicht einmal bei solchen mit "friendly countries like Britain and France." Das sei eine freundliche Geste von Assad, weil die vorigen Treffen so gut verlaufen seien, aber es habe ganz bestimmt keine Bedeutung hinsichtlich geheimdienstlicher Kooperation - zumindest nicht für die Gegenwart. Tatsächlich geht es während des ganzen Gesprächs aber vorwiegend darum, wie eine solche Kooperation zukünftig aussehen könnte. Hier die Zusammenfassung:

In a surprise appearance, Syrian General Intelligence Director (GID) General Ali Mamlouk attended a February 18 meeting between Vice Foreign Minister Faisal al-Miqdad and a U.S. delegation led by S/CT Coordinator Daniel Benjamin. Miqdad explained Mamlouk had joined the meeting at the request of President Bashar al-Asad as a gesture following a positive meeting between U/S William Burns and the Syrian president the previous day. Stressing the meeting did not signal the commencement of security and intelligence cooperation between Syria and the United States, the Syrian side said the discussion could be a starting point for a blueprint regarding possible cooperation in the future. Calling Coordinator Benjamin’s description of terrorist groups operating in the region “valid,” Mamlouk emphasized the linkage between progress on political issues in U.S.-Syrian relations and possible security and intelligence cooperation. He identified Syrian-Iraqi border security as an area where Syria could cooperate with the U.S., but only after Iraqi legislative elections in March. Mamlouk added cooperation on Syrian-Iraqi border security could lead to security cooperation in other areas. Mamlouk, Miqdad, and Syrian Ambassador to the U.S. Imad Mustapha were attentive during Benjamin’s presentation on al-Qaeda, foreign fighters, and other common threats, and reacted positively to his warnings that these issues presented challenges to both the U.S. and Syria. Mamlouk and Miqdad emphasized three points regarding possible security and intelligence cooperation with the U.S.: (1) Syria must be able to take the lead in any regional actions; (2) politics are an integral part of combating terrorism, and a “political umbrella” of improved U.S.-Syrian bilateral relations should facilitate cooperation against terrorism; and (3) in order to convince the Syrian people that cooperation with the U.S. was benefiting them, progress must be made on issues related to economic sanctions against Syria including spare parts for airplanes and a plane for President Asad. “In summary, President Asad wants cooperation, we should take the lead on that cooperation, and don’t put us on your lists,” Miqdad declared.

Was ich toll finde, ist, dass also die syrische Bevölkerung von den Vorteilen einer Kooperation mit den USA überzeugt werden soll, indem der Präsident ein neues Flugzeug bekommt. Na, wenn das die syrischen Bürger mal nicht vom Sockel haut!

Also, insgesamt ist der Tonfall, soweit man das der Depesche entnehmen kann, recht freundlich und es findet tatsächlich sowas wie ein konstruktives Gespräch statt, ohne Pseudowitzigkeit oder gehässige Seitenhiebe (naja, fast). Die Syrer geben mehr von sich, als nur PR-Seifenblasenrhetorik und stimmen gar den Amerikanern in ihren Erkenntnissen um terroristische Gruppierungen in Middle East zu. Das liest sich echt so, als sei da Zusammenarbeit möglich. Ach ja, und:
Benjamin [...] noted that there were issues on which we had clear differences, such as Syrian support for Hamas and Hizballah.

Ach, ich denke, von dem Thema wollte man sich vorerst etwas fernhalten? Ich glaube, die wissen einfach nicht wie sie das angehen sollen und jeder macht dann halt so, wie er denkt, dass es richtig ist.

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