Sonntag, 24. Oktober 2010

Einreißende Erlebnisse

Gespräch mit der frischgebackenen Braut: wie ist es denn so als verheiratete Frau, wie waren die ersten Wochen? Najaaaa... sagt sie. Schon ganz gut jetzt, aber die erste Woche war ein Alptraum, sie hatte da in einem speziellen Bereich ja noch gar keine Erfahrung und war völlig verängstigt. Ach, unfair, ich hätte mit ihr gegen meine erste Ehewoche getauscht - wir mussten mit den Kindern der Schwester meines Mannes in einem Zimmer schlafen, da ging gar nix. Sie ist ja jetzt auch schon dreißig Jahre alt, aus zwei vorigen Verlobungen ist nichts geworden, und wissen tut sie immer noch praktisch nichts darüber. Sie hat schonmal in der Familie herumgefragt, aber keiner mag darüber sprechen. Ich fange an, mich aufzuregen, über die Doppelmoral in dieser Angelegenheit gegenüber Mann und Frau - er darf schon vor der Ehe alles, sie nichts, dann stehen beide plan- und sie auch noch lustlos oder wie in diesem Fall noch zusätzlich bis auf die Knochen verängstigt voreinander und glauben, jetzt würde was ganz tolles passieren. Ne, es ist natürlich scheiße, wie bei den meisten das erste Mal. Ich nehme noch einen Schluck Bier und knabbere ein paar Granatäpfelstückchen und versuche, mich nicht allzusehr zu echauffieren. Es ist ja schon verwunderlich, dass sie mir als weitläufig eingeheiratet Verwandter das hier alles so offen ausbreitet, aber offenbar braucht sie sehr dringlich jemanden, um über dieses Thema zu reden, wo sich sonst alle verschließen. Da will ich nicht mit zu viel kultureller Herablassung sie zum Verstummen bringen. Einfach mal reden lassen. Und es sprudelt aus ihr hervor. Wie sie mit ihrem Mann vor der Hochzeit beim Arzt war, der ihr ihre Jungfräulichkeit und ihm seine Zeugungsfähigkeit schriftlich bestätigen sollte. Wie sie beide auf diese Versicherung verzichteten, diesen Verzicht aber auch wiederum unterschreiben mussten. Dann fällt ihr die Geschichte eines Mädchens ein, das mit sieben Jahren bei einem Unfall sein Jungfernhäutchen verloren hat, was ein oder zwei Jahre später bei einer Untersuchung auffiel. Daraufhin bekamen die Eltern Papiere ausgestellt, die dem Mädchen den nicht durch Geschlechtsverkehr bedingten Verlust des Hymens bestätigten. Trotzdem wurde sie, in späteren Jahren, von ihrem Verlobten sitzengelassen, als er davon erfuhr. Hätte sie wohl doch besser schweigen müssen und sich am Tag vor der Hochzeit von einem Arzt wieder zunähen lassen, wie das bei den Frauen hier mehr oder weniger gang und gäbe zu sein scheint. Das Gespräch schwappt in eine andere Richtung, aber ich schlucke immer noch schwer an Granatapfel und Bier, wie soll man sich bei sowas auch nicht aufregen...?

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