Montag, 1. November 2010

Aleppinische Taxen

Was aber mal definitiv über Aleppo gesagt werden muss, ist, dass es meine Meinung über syrische Taxifahrer relativiert hat und ich jetzt nur noch damaszener Taxifahrer für die absoluten Vollhorste halte. Was die so alles bringen, kann man hier ja mehrfach nachlesen.

Aleppinische Taxifahrer aber, die scheinen von einem anderen Schlag zu sein, bei dem Unterschied müsste man eigentlich sagen: eine andere Spezies, eine nicht für möglich gehaltene Lebensform, so wie Leben auf Schwefel- oder gar Siliziumbasis. Nämlich (Trommelwirbel): sie sind ehrlich! Ja gibt es denn sowas? Ehrliche Taxifahrer. In Syrien. Mein Weltbild rotiert. Und das war keine Ausnahme. Die waren alle so. Und auch wie praktisch das alles durchdacht und organisiert ist: Auf dem Dach haben die 'ne rote und 'ne grüne Lampe, so dass man nicht aus der Ferne angestrengt versuchen muss zu erkennen, ob da jetzt schon wer drin sitzt oder nicht. Setzt man sich ins Taxi, ist das Taxameter stets an und steht auf Startpreis (nur vier Pfund, nicht fünf fünfzig wie in Damaskus). Man fährt, hoffentlich dummschwätzfrei (da immer mein Mann dabei war, dessen Anwesenheit auf hormonüberschussgesteuerte Männchen wie eine kalte Dusche wirkt, kann ich für diese Eigenschaft nicht garantieren) und bezahlt am Ziel, wie üblich, Taxameterpreis plus etwa zehn Prozent. Keiner beklagt sich! Alle nicken freundlich, wenn man "Genug?" fragt, keiner fängt Diskussionen an, warum gerade ihm jetzt anderthalb Taxameter zustehen, keiner verweist auf fehlendes Wechselgeld, nein, alles iiiiiisy. Sogar als Service soll man die Taxen benutzen können. Das ist zwar nicht von mir praxiserprobt, soll aber so funktionieren: man hält ein Taxi an, sagt man möchte hier- oder dorthin fahren, als Service. Dann bezahlt man nur sieben Pfund und der Fahrer sammelt unterwegs möglichst viele Leute ein, die auch dorthin wollen. Klingt praktisch! Kann mal bitte jemand die aleppinischen Taxifahrer nach Damaskus bringen?

Nur einen Nachteil hat das Ganze... bei so stressfreiem Taxi fahren wollen das natürlich alle und es ist oft echt ganz schön schwierig, überhaupt eines zu bekommen.

Die Aleppo-Ennealogie
Aleppo. Die Touri-Tour II
Aleppo. Die Touri-Tour I
Eine syrische Braut II
Eine syrische Braut
Ein merkwürdiger Besuch
Auf Hotelsuche
Aleppinische Wasserspiele
Eine Zugfahrt, die ist lustig

Sonntag, 31. Oktober 2010

Und nur mal so am Rande

Happy Halloween
Quelle: http://www.megahorrorgifs.de

And the winner is...

... me!

Katzen-Spielschiene
Quelle: shopchop.de

Hallo Mia

Du hast es zwar nicht geglaubt, aber meine virtuelle Lostrommel hat deinen Blog als Gewinner für die Catit Senses Spielschiene ausgespuckt. Alles, was ich jetzt noch brauche, ist die Adresse, an die ich das Spielzeug schicken kann. Wegen dem Feiertag kann das etwas länger dauern, aber eigentlich sollte das Päckchen schnell ankommen.

Herzlichen Glückwunsch
R.H.


Wow, wer hätte das gedacht?! Da haben meine syrischen Küchen-Katzen zwei ihrer deutschen Artgenossen eine Spielschiene beschert. Die syrischen Katzen, noch im wilden ersten Jahr, fänden die bestimmt toll, aber diesen Postweg will ich der Spielschiene und meinem Portobudget nicht zumuten. Mal sehen, ob meine zwei beiden Damen in Deutschland, laut Katzenfutterherstellern schon im Seniorenalter angekommen, damit was anfangen können. Eigentlich spielen die ja, wenn überhaupt, nur mit Sachen, die sie gar nicht erst anfassen sollen, irgendwelche teuer gekauften Spielsachen hingegen: doooooooof. Aber vielleicht wissen sie ja wenigstens einen Gewinn angemessen zu schätzen... Mensch gibt ja die Hoffnung nie auf ;).

Freitag, 29. Oktober 2010

Das Wort zum Freitag (29.10.)

"The tormenting dilemma of the Middle East is this: either we have one people too many, or one state too few."
Afif Safieh

via Brainy Quote

Verwirrung

Heute Nacht war Zeitumstellung. Von zwölf Uhr Mitternacht zurück auf elf Uhr abends. Jetzt ist es hier für ein paar Tage genauso spät wie in Deutschland. Und jetzt verstehe ich auch, wieso das bei uns zwischen zwei und drei Uhr morgens gehandhabt wird. Das ist schließlich alles schon verwirrend genug, und wenn sich dann auch noch beim Zeitumstellen das Datum verändert, dann ist Verwirrung im Handy garantiert, denn dann muss man nicht nur die eine Stunde, sondern die eine Stunde, den einen Tag und am/pm umstellen. Bei Twoday herrscht auch Verwirrung, hier wird mir eine Stunde zuviel angerechnet, die ich manuell zurückstellen muss. Wer hat sich diesen ganzen Murks bloß ausgedacht? Wenn wir jetzt sowieso alle nur noch Energiesparlampen haben dürfen, braucht doch keiner mehr diese Daylight Saving Time, kann man das nicht mal bitte wieder abschaffen?

Um alles speziell für Syrien noch zu verkomplizieren, weiß die Weltzeituhr folgendes:

Die Sommerzeitregelung in Syrien ändert sich häufiger, um Konflikte der Zeitumstellung mit dem islamischen Fastenmonat Ramadan, dessen Zeitraum auf dem islamischen Mondkalender basiert, zu vermeiden.

Na, da soll mal einer durchblicken!

Brandgefahr

Wenn man sich zum Frühstück zwei Eier aufs Feuer stellt und dann eine Stunde vor dem bösen, bösen Internet versumpft, dann gibt das schließlich einen unschönen Geruch und laute Platzgeräusche. Und kein Frühstück.

Dienstag, 26. Oktober 2010

Noch mehr Katzen

meine damaszener katzengeschichte:
ging zu fuss vom nationalmuseum zu einem platz der so ähnlich wie "marja" hiess, wohnten dort im hotel OMAR KHAYAM [...]
na jedenfalls hörte ich ein kätzchen jämmerlich weinen. irgendjemand der anrainer dort sagte mir, dass mama katze vor 1-2 tagen von einem auto totgefahren wurde. ich - mit europäischem mitleidsherz - hab mich furchtbar aufgeregt wieso denn NIEMAND das kätzchen wenigstens mit milch füttert.
von einigen sich in der kurzen zeit ansammelnden männern wurde ich etwas konsterniert beobachtet. das kätzchen hörte nachdem ich es hochgenommen hatte auf zu schreien. ich vermute dass mich das starren (niemand hat den kopf geschüttelt, doch diese blicke sagten mir sie hielten mich für völlig irre) dieser männer dazu angestachelt hat in das direkt daneben liegende hotel zu stapfen, an die rezeption zu gehen und "MILCH" zu verlangen.
ok, ich hab vorher gegrüsst und hab's auch auf arabisch gesagt, also MILCH zumindest, und sicher auch BITTE.
der concierge war völlig geplättet, hat den kopf geschüttelt, und mehrfach NEIN, NEIN, gesagt, arabisch :) natürlich, ich schein hartnäckig gewesen zu sein, ein mann, herr möcht ich fast sagen, der in der lobby sass, stand auf, kam auf mich zu, und sagte mit der ganzen autorität die nur ein orientale in "guter gesellschaftlicher(?) position" besitzen kann zu dem concierge etwas, und innerhalb minuten hatte ich das was ich verlangte. milch /hälfte wasser in einer tasse.
versuchte damit das kätzchen zu füttern, tropfen für tropfen, das ganze vorm hotel, nebenan war ein reisebüro. darauf ein aufkleber der AUSTRIAN AIRLINES.
fragte die frau des besitzers(?) des reisebüros ob sie den nicht das kätzchen füttern würde, sagte es sei doch nur für einige zeit bis es selbst trinken würde.
der reisebüromann sagte ich solle die katze doch mitnehmen wenn mir soviel an ihr liegen würde. ich erwiderte dass unser flug am nachmittag mit genau dieser austrian airlines dessen aufkleber an seiner tür hätte von damaskus abgehen würde.
das letzte woran ich mich erinnere war das er sagte : unsere arabischen kinder werden von den israeli getötet und du regst dich hier auf wegen einer katze......
die frau war netter, ob sie die babykatze dann wirklich gefüttert hat weiss ich natürlich nicht......
hatte mir noch lange gedanken gemacht ob ich sie nicht besser mitgenommen hätte, doch wie ?
zu wenig zeit tierarzt zu checken, wollte sie auf keinen fall am airport damas aussetzen müssen.....
die nächste katze unterwegs die in unser womo einsteigt und uns adoptiert nehm ich mit [...]
doch den satz "die israeli....." vergess ich nie.
streichler an die damaszener katzen !

liebe grüsse
schneewittchen*

P.S. gibt doch da irgendwo bei MARJA(????) einen platz wo abends herz, leber, schafsinnereien halt :((( etc.... gegrillt wird.
haben dort auch katzen gefüttert.war voll davon.(von katzen)
und trotzdem glaub ich dass die syrer zu katzen netter sind als z.B. die iraner oder türken....

Vielen Dank für deine Geschichte! Da wollen wir doch hoffen, dass das Kätzchen es geschafft hat.

Es sei hier auch mal angemerkt, dass ich gerne bereit bin, längere Kommentare oder Gastbeiträge zu veröffentlichen. Einfach per Mail schicken an: mia-meine-mia@mailueberfall.de

*Autor ist der #Redaktion# bekannt

Montag, 25. Oktober 2010

Arabische Wandmalerei

Arabische Wandmalerei

Wer es entziffert und in die Kommentare postet, bekommt 100 Gummipunkte!

Sonntag, 24. Oktober 2010

Einreißende Erlebnisse

Gespräch mit der frischgebackenen Braut: wie ist es denn so als verheiratete Frau, wie waren die ersten Wochen? Najaaaa... sagt sie. Schon ganz gut jetzt, aber die erste Woche war ein Alptraum, sie hatte da in einem speziellen Bereich ja noch gar keine Erfahrung und war völlig verängstigt. Ach, unfair, ich hätte mit ihr gegen meine erste Ehewoche getauscht - wir mussten mit den Kindern der Schwester meines Mannes in einem Zimmer schlafen, da ging gar nix. Sie ist ja jetzt auch schon dreißig Jahre alt, aus zwei vorigen Verlobungen ist nichts geworden, und wissen tut sie immer noch praktisch nichts darüber. Sie hat schonmal in der Familie herumgefragt, aber keiner mag darüber sprechen. Ich fange an, mich aufzuregen, über die Doppelmoral in dieser Angelegenheit gegenüber Mann und Frau - er darf schon vor der Ehe alles, sie nichts, dann stehen beide plan- und sie auch noch lustlos oder wie in diesem Fall noch zusätzlich bis auf die Knochen verängstigt voreinander und glauben, jetzt würde was ganz tolles passieren. Ne, es ist natürlich scheiße, wie bei den meisten das erste Mal. Ich nehme noch einen Schluck Bier und knabbere ein paar Granatäpfelstückchen und versuche, mich nicht allzusehr zu echauffieren. Es ist ja schon verwunderlich, dass sie mir als weitläufig eingeheiratet Verwandter das hier alles so offen ausbreitet, aber offenbar braucht sie sehr dringlich jemanden, um über dieses Thema zu reden, wo sich sonst alle verschließen. Da will ich nicht mit zu viel kultureller Herablassung sie zum Verstummen bringen. Einfach mal reden lassen. Und es sprudelt aus ihr hervor. Wie sie mit ihrem Mann vor der Hochzeit beim Arzt war, der ihr ihre Jungfräulichkeit und ihm seine Zeugungsfähigkeit schriftlich bestätigen sollte. Wie sie beide auf diese Versicherung verzichteten, diesen Verzicht aber auch wiederum unterschreiben mussten. Dann fällt ihr die Geschichte eines Mädchens ein, das mit sieben Jahren bei einem Unfall sein Jungfernhäutchen verloren hat, was ein oder zwei Jahre später bei einer Untersuchung auffiel. Daraufhin bekamen die Eltern Papiere ausgestellt, die dem Mädchen den nicht durch Geschlechtsverkehr bedingten Verlust des Hymens bestätigten. Trotzdem wurde sie, in späteren Jahren, von ihrem Verlobten sitzengelassen, als er davon erfuhr. Hätte sie wohl doch besser schweigen müssen und sich am Tag vor der Hochzeit von einem Arzt wieder zunähen lassen, wie das bei den Frauen hier mehr oder weniger gang und gäbe zu sein scheint. Das Gespräch schwappt in eine andere Richtung, aber ich schlucke immer noch schwer an Granatapfel und Bier, wie soll man sich bei sowas auch nicht aufregen...?

Nagib Machfuz - Die Kairo-Trilogie

Nagib Machfuz ist der erste arabische Literaturnobelpreisträger. Und das vollkommen zu recht. Nach dem schmalen Bändchen "Die Reise des Ibn Fattuma" habe ich mich nun seinem wohl bekanntesten Werk zugewandt, der

Kairo-Trilogie

Diese drei Bände mit den Namen "Zwischen den Palästen", "Palast der Sehnsucht" und "Zuckergässchen" (Baina-l-Qausain, Qasr as-Schauk, Sukkariya - die Namen der Straßen, in denen die Protagonisten leben; das hätte die Übersetzerin für die nicht des arabisch mächtigen Leser ruhig als Fußnote erwähnen können) erzählen vom Leben einer ägyptischen Kaufmannsfamilie in und zwischen den beiden Weltkriegen und lassen so ein großes Mosaik ägyptischen Lebens entstehen. Machfuz wurde schon verglichen mit anderen Autoren wie Balzac, Dickens, Tolstoi, Gorki, Mann; seine Kairoer Trilogie mit Familiensagen wie etwa den "Buddenbrooks"*.

Herr Achmed Abd al-Gawwad ist das unangefochtene Oberhaupt der Familie und herrscht mit eisener Strenge, die dem Leser eine Reaktion irgendwo zwischen Stirnrunzeln und Abscheu abnötigt - man erinnere sich stets daran, dass die Geschichte zu Beginn des 20. Jahrhunderts angesiedelt ist, und auch, dass das gestrenge Gebaren dieses Patriarchen von so ziemlich allen anderen Familien um ihn herum etwas verwundert betrachtet wird. Dennoch, seine zweite Ehefrau Amina (die erste hat er verstoßen, weil sie gegen seinen Willen ihren eigenen Vater besucht hat...) ist durchaus glücklich und zufrieden mit ihrem "Gebieter", auch wenn er sie nicht aus dem Haus gehen lässt, nicht einmal, um zur Moschee zu gehen. Die al-Gawwads haben fünf Kinder: Jasin (noch aus erster Ehe), Fahmi, Kamal, Chadiga und Aischa. "Zwischen den Palästen", der erste Teil der Trilogie, stellt uns diese Familie vor, erzählt von ihrem Alltag, Amina zwischen Kindern und Küche, die Kinder in ihren Zankereien und Abenteuern daheim und in der Schule, der Hausherr in all seiner Strenge daheim und seiner ausgelassenen, weinseligen Fröhlichkeit nach der Arbeit mit Freunden und Gespielinnen. Einige der älteren Kinder werden unter die Haube gebracht, ist Heirat doch für einen jeden ein Lebensziel. Wie auch in den zwei folgenden Teilen gilt: eigentlich passiert wenig Spektakuläres, aber das Unspektakuläre ist so charmant, glaubwürdig und - besonders im bestimmt nicht zu kurz kommenden Bereich der sexuellen Begierde - witzig geschildert, dass man das Buch kaum wieder aus der Hand leben mag. Auch das Politische ragt ins Private, die Unruhen rund um die Forderung nach Ägyptens Unabhängigkeit beschäftigen die politisch gestimmten Gemüter, und bringen letztlich viel Unheil über die al-Gawwads - vor Beginn des Romans ist es im Übrigen überaus hilfreich, sich ein wenig in die Geschichte Ägyptens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einzulesen, wenigstens mal in die Wikipedia zu schauen, sonst könnten die vielen Namen und Begriffe ein wenig Verwirrung auslösen. Der erste Teil zieht viel Unterhaltung aus den unschuldig-neugierigen Fragen des erst etwa zehn Jahre alten Kamal, der von den verfänglichen Beziehungen zwischen Mann und Frau oder zwischen Ägypten und England noch nichts weiß.

Während der erste Teil uneingeschränkt fünf Sterne verdient, brechen der zweite, und ein wenig auch der dritte Teil, ein. Den weitaus größten Teil der Handlung bestimmt im "Palast der Sehnsucht" der jugendlich gewordene Kamal mit seiner ersten großen Liebe. Zwar sind seine romantischen Anwandlungen zunächst eine willkommene Abwechslung gegenüber den rohen Begierden so ziemlich aller anderen Männer, besonders seines Vaters Achmed und seines Brudes Jasin, auch die blumigen Liebesverse, die aus der Wortgewalt des Arabischen schöpfen, sind anfangs noch ganz nett zu lesen. Aber irgendwann ist es dann auch genug, doch wenn dieses Gefühl einsetzt, hat man bestenfalls die Hälfte von Kamals Gefühlsduselei hinter sich gebracht. Die anderen Familienmitglieder kommen fast nur am Rande vor. Zwar wird Aisha noch etwas überaus Dramatisches widerfahren, wogegen Kamals Liebeskummer sich äußerst harmlos ausnimmt, aber erst zum Schluss des Buches, mal eben so auf einer Seite und einer halben.

Teil drei schließlich, "Zuckergässchen", ist besser als der zweite, aber nicht so gut wie der erste Teil. Die Handlung ist wieder breiter gestreut, Kamal hat seine Liebeswehen einigermaßen überwunden, und leidet jetzt allgemein an der Sinnlosigkeit der Existenz, seiner Unfähigkeit, irgendeinen Standpunkt einzunehmen, dem Clash seiner wissenschaftlichen und religiösen Überzeugungen (ein sehr interessanter Handlungsstrang!) und dem Druck seiner Familie, jetzt aber langsam mal in die Pötte zu kommen und zu heiraten. Jasin schafft es nach mehreren Fehlschlägen schließlich, eine Frau zu finden, die er nicht nach wenigen Tagen wieder in die Wüste schickt, weil ihr sein Fremdgehen nicht gefällt. Chadiga lässt es sich gut gehen in ihrer Rolle als Hausdrachen. Amina und Achmed werden alt, er altersmilde, sie vom Leben gezeichnet, aber immerhin endlich in der Lage, das Haus auch mal zu verlassen. Ansonsten gehört der dritte Teil den Enkeln, Radwan, Karima, Abd al-Munim und Achmed. Diese sind nicht mehr die allgewaltige Strenge gewohnt, wie sie einst von Herrn Achmed ausging, sie setzen sich gar solche Dinge in den Kopf, wie sich selbst eine Ehefrau auszusuchen, ohne Beachtung von Standesfragen, ob das der Familie nun passt oder nicht. Während im zweiten Teil völlig abhanden gekommen, schlägt die Politik im dritten Teil doppelt stark durch. Wir befinden uns im zweiten Weltkrieg, man ist eigentlich nicht so richtig aber doch irgendwie für Deutschland, weil man gegen England ist, Ägypten strauchelt weiterhin um seine Unabhängigkeit. Die Kluften ragen bis in die Familie al-Gawwad hinein: im gleichen Haus in der Sukkariye finden, organisiert von den Brüdern Abd al-Munim und Achmed, geheime Treffen sowohl von Muslimbrüdern, als auch von Kommunisten statt. Soweit ist der dritte Teil sehr gut, ich fand es aber etwas schwierig, mich in die neuen Protagonisten einzulesen, die in der Kürze eines einzelnen Buches etwas oberflächlich bleiben, während die gewohnten Charaktere schon tausend Seiten Zeit hatten, sich zu entwickeln, und im Herzen des Lesers Wurzeln zu schlagen. Dies gelingt sogar dem geliebt-gefürchteten Familienoberhaupt, das die Familiensaga eröffnet und auch wieder beendet, selbst um ihn ist man letztlich recht traurig.

Ich hoffe, ich habe nicht zu viel gespoilert, kurz gesagt: das Buch, bzw. die Bücher, sind absolut lesenswert und im Gesamtwerk kann man auch über kleinere Schwächen hinwegsehen. Fünf Sterne, ganz klar. Ich werde jedenfalls alles, was ich hier in der Bibliothek von Machfuz finde, verschlingen. Lesen!, wie Frau Heidenreich sagen würde, und das ist ein Befehl.

5 Sterne

Ansonsten in letzter Zeit gelesen: Lion Feuchtwanger - Die Jüdin von Toledo, eine jüdisch-christlich-königliche Liebe und ihre Folgen im spanischen Mittelalter, ein Klassiker, spannend, lehrreich, weise, überraschend flüssig zu lesen, ebenfalls ohne jeden Zweifel fünf Sterne;
*Thomas Mann - Die Buddenbrooks, vergleichshalber, natürlich auch sehr gut und fünfsternig, der Vergleich von Mann und Nachfus erfolgt hier zurecht, mein Buddenbrook'sches Lieblingszitat: "Nicht mal die Lampen sind angezündet - Dat geiht dann doch tau wied mit de Revolution!"

Was guckst du, alda?

Mein Mann staunte neulich über sich selbst, dass er das inzwischen so gelassen hinnimmt, dass mir andauernd irgendwelche Kerle hinterherstarren, mussten doch solche Typen, die seine Frau/Freundin/Schwester begaffen, bislang mit einem "Du hättest besser schonmal dein Testament gemacht" - Blick rechnen. Zwar ist er also nicht so richtig wirklich arabisch, aber eigentlich ja doch, hat ja Zeit seines Lebens im Mittleren Osten gelebt. Da färbt die Mentalität schon ein wenig ab. Ich frage ihn, wo er seine Gelassenheit aufgegabelt hat. Ich hab zwar immer auf ihn eingeredet - das sei doch ein Kompliment, besser eine schöne Frau, der die Männer hinterhergucken als so eine olle Schabracke für sich alleine, er schaue außerdem doch auch hier und da den Frauen hinterher, also so what und so weiter, doch richtig zu fruchten schien das nicht. Aber ein "Argument" hatte ich schon fast vergessen, vermutlich weil ich das eigentlich gesagt habe, als mir die Argumente schon ausgingen. Nämlich dass zwar die Kerle mir hinterschauen, ich aber nur ihn sehe. Dass hat sich in sein Gehirn gebrannt und dort offenbar positive Energien freigesetzt. Das freut mich natürlich, auch wenn ich es etwas merkwürdig finde. Hat er sonst immer seine weibliche Begleitung verdächtigt, mit den Augen zurückzuflirten? Selbst seine Schwester? Geht es mehr um die Frau als um den glotzenden Kerl? Ich versteh's nicht wirklich. Aber vielleicht muss man da auch mehr emotional als mit dem Kopf rangehen. Eine Mentalität, die man(n) eigentlich ablegen will, aber nicht so recht kann, ist sinnvollen Argumenten insofern wohl nicht zugänglich, denn wenn man sie loswerden will, ist man ja schon argumentativ überzeugt. Aber wie stand es neulich sinngemäß in irgendeinem Buch? "Der Kopf mag fortschrittlich sein, aber das Herz bleibt konservativ." Nun, offenbar macht dank eines netten Spruchs nun auch das Herz Fortschritte. Ich find's gut. Hoffentlich bleibt die Wirkung erhalten, wenn ich doch auch anfange, anderen Kerlen hinterherzugucken. Diese arabischen aalglatten Typen sind nicht so mein Geschmack, aber in Deutschland mag ich für nichts garantieren :).

Küchen-Katzen

Küchen-Katzen I

Küchen-Katzen II

Küchen-Katzen III

Küchen-Katzen IV

Das sind Itzy, Bitzy, Freckles und Frockles, im Alter von wenigen Wochen und circa vier bis fünf Monaten, sowie ihre Eltern.

Eigentlich wollte ich ja erst gar nichts über diese Miezen schreiben und Katzencontent vermeiden. Aber mittlerweile sind diese Biester so omnipräsent in meinem Alltag geworden, da muss ich doch mal ihre Geschichte erzählen...

Es begab sich aber zu der Zeit, als der April dem Mai wich, da suchte eine damaszener Straßenkatze nach einem Platz, um ihre Jungen zu gebären. Sie hatte es nicht leicht, denn die damaszener Menschen mochten Katzen nicht besonders, die Kinder ärgerten sie und die Erwachsenen verscheuchten sie, wenn sie auf der Suche nach ein wenig Nahrung ihren Müll durchwühlte. Schließlich fand sie einen Platz, der etwas Ruhe versprach, eine kaum genutzte Küche in einem alten Haus, die voller Plunder und Gerümpel war und herrliche Versteckmöglichkeiten bot. Selbst wenn einmal ein Mensch hier herein käme, dort oben, in die hinterste Ecke des Vorsprungs, hinter lauter Kisten und Kram würde er nicht so leicht kommen können, vielleicht würde er sie nicht einmal entdecken. Der Plan der Straßenkatze ging auf. Sie brachte ihre Kinder ungestört von menschlichen Störenfrieden zur Welt. Leider jedoch war das Leben außerhalb ihres geschützten Kindbettes nicht besser geworden und es war schwer, für die vier Racker, die sie geboren hatte, genug zu essen zu finden. Das klägliche Miauen der hungrigen Babykatzen rief dann auch natürlich die Menschen in diesem Haus auf den Plan. Was die Straßenkatze bis dahin nicht gewusst hatte: sie hatte, indem sie dieses Haus auserwählte, die beste aller möglichen Optionen gewählt, denn hier lebte eine junge Frau, die angesichts einer Katze sofort in Verzückung geriet und nie im Leben einer Mieze, geschweige denn ein paar hilflosen, kläglich maunzenden, mit halbgeschlossenen Augen in die Welt blinzelnden Katzenbabys irgendeinen Schaden zugefügt hätte, nein im Gegenteil, sie nahm sich sofort ihrer an. Die Straßenkatze misstraute ihr zutiefst, ein netter Mensch, das war in etwa eine so sinnvolle Wortkombination wie eine gehorsame Katze. Aber die Frau stellte jeden Tag einen Teller mit Essen in die Küche, nachdem erste Annäherungsversuche mit einem sehr deutlichen Fauchen beantwortet worden waren, und dazu konnte die Straßenkatze nun wirklich nicht nein sagen...

Nach einigen Wochen waren ihre Kleinen nicht mehr ganz so klein und die Straßenkatze entschloss sich, sie ein wenig in die große weite Welt einzuführen. Noch immer misstraute sie der Frau, aber bislang war ja alles gut gegangen mit ihr, und so nahm sie die Kinder mit in den ersten Stock, denn sie waren jetzt schon groß genug, die Treppe alleine zu erklettern. Dort standen vor der Wohnungstür ein paar große Blumenkübel, die bestens zum Schlafen geeignet waren. Die Kleinen bewunderten diese neue Welt, in der die Sonne schien, aber diesen beiden Menschen, die da andauernd an ihnen vorbeikamen, aus der Wohnung kamen oder hineingingen, denen trauten auch sie nicht. Die Mutter hatte ihr Misstrauen gegen Menschen ihnen gegenüber deutlich gemacht. Immer wenn einer dieser Menschen ihnen zu nahe kam, sie sogar anfassen wollte, fauchten sie und dann lachten die Menschen. Denn ihr kleines Kinderfauchen war nun so gar nicht bedrohlich und bedurfte noch einiger Übung.

Drei von den Kleinen hatte die Straßenkatze hier hoch gebracht, aber irgendwann entdeckte die Frau, dass immer noch ein Kätzchen unten in der Küche war, ganz klein, noch immer die Augen halb geschlossen, krähte es lauthals nach der Mutter, nach Futter, nach Aufmerksamkeit. Die Straßenkatze hatte es hier unten gelassen, denn es war noch zu klein, um die Treppen selbst zu erklettern. Vielleicht hätte das Kätzchen nicht überlebt, denn die Mutter musste schon all ihre Reserven für die anderen drei verwenden, aber die Frau gab dem Kleinen Milch und Wurststückchen, und nach ein paar Tagen kletterte sie gar dort hinauf, holte das Kleine und brachte es nach oben zu seiner Familie. Dort vor der Wohnungstür der seltsamen Frau - und dem seltsamen Mann gleichermaßen - blieben die fünf in der nächsten Zeit, sie bekamen jeden Tag Milch, Brot und Wurst, manchmal auch noch tollere Leckereien, die die Menschen selbst nicht aufgegessen hatten, sie bekamen sogar eine Plastikwanne mit einem alten Pullover darin zum Schlafen und einen Faden mit einem Aluminiumball daran zum Spielen. Alle entwickelten sich prächtig, selbst der kleine Nachzügler, der es fast nicht geschafft hätte. Die Annäherungsversuche der Menschen waren den Kindern immer noch unheimlich, die Mutter ließ sowieso niemanden an sich heran. Aber als ihre Kleinen sich langsam an die Menschen gewöhnten, in deren Wohnung gingen, sich streicheln und irgendwann sogar hochheben ließen, da akzeptierte sie das, legte sich aber in die geöffnete Wohnungstür und hielt ein bisschen Wache. Man wusste ja nie...

So ging es die nächsten Monate, die Kleinen wurden immer zutraulicher - nur eines von ihnen schlug nach der Art der Mutter und ließ sich kaum anfassen, aber auf das Essen wollte auch dies nicht verzichten. Die Mutter hingegen kam immer seltener vorbei, schließlich kam sie nur noch alle paar Tage, weil die Frau ihr immer etwas zu essen gab, das sie jetzt schon gegen ihre eigenen Kinder verteidigen musste. Die Vier hingegen beschlossen, bei der netten Frau und dem fast genauso netten Mann zu bleiben, jeden Morgen standen sie schon vor der Tür und maunzten, sobald sie die ersten Geräusche im Innern hörten, sie ließen sich füttern, streicheln (bis auf den einen Einzelgänger), sie spielten und balgten. Abends mochten sie gar nicht raus, aber da blieben die Menschen hart. Im gleichen Bett schlafen, soweit kommt es noch. Die Frau hätte sie bestimmt sogar gelassen, aber der Mann mochte keine Katzenhaare, und Dreck von schmutzigen Katzenfüßen in seinem Bett. Tagsüber aber schmusten die drei (Nummer Vier mochte ja nicht) auf Teufel komm raus mit den Menschen, ganz besonders das Kätzchen, dass wohl nur dank dieser Menschen überlebt hatte. Irgendwann erwachte der Geschlechtstrieb und die Vier bestiegen sich gegenseitig, was aber nur Trockenübungen sein konnten, hatte doch die Straßenkatze es fertiggebracht, tatsächlich vier Jungen und kein einziges Mädchen auf die Welt zu bringen. Einer aber hing dieser Entwicklung etwas hinterher, er versuchte stattdessen, bei seinen Geschwistern zu trinken, was zwar genauso zum Scheitern verurteilt sein musste, aber ihn ebensowenig davon abhielt, es fortzuführen. Zwei von ihnen wurden einmal vergiftet, nach dem sie eine ebenfalls vergiftete Kakerlake gefuttert hatten, aber die Frau und der Mann kümmerten sich auch dann um sie, und nach einem Tag wankten sie nicht mehr halb betäubt umherfallend durch die Gegend...

Viele weitere Geschichten zum Erzählen haben die vier Racker der Frau schon beschert. Aber die Frau fragt sich, was sie nur mit diesen anhänglichen Schmusern machen soll, wenn sie bald von hier fortgeht. Sie mag zwar die Kleinen, aber etwas mehr harte Wirklichkeit täte den Kleinen wohl doch ganz gut, wenn sie sich irgendwann selbst als Straßenkater behaupten sollen. Hätte sie die Grenze beim Futter rausstellen ziehen sollen und die Vier niemals in die Wohnung und auf ihren Schoß lassen? Oder ist es gut, dass sie wenigstens eine Zeit lang ein nettes Heim hatten, wie auch immer es in der Zukunft für sie aussehen mag?

Dieser Beitrag nimmt am ShopChop-Gewinnspiel und am MaunzBlog-Gewinnspiel Teil. Wenn ihr auch was für eure Stubentiger gewinnen wollt,schaut dort mal vorbei! Ich rechne nicht damit, etwas zu gewinnen und "meine" syrischen Fellnasen hätten auch nichts von dem Gewinn, aber ich habe auch zwei Katzen in Deutschland, die im Moment bei meiner Mutter verweilen. Es wär also nicht vergebens ;)

Freitag, 22. Oktober 2010

Partytime

Och nööö, die Tochter vom Nachbar zwei Häuser weiter heiratet morgen. Sei's ihr gegönnt, aber das heißt, bis in die Nacht muss ich diese arabische Partymusik-Beschallung ertragen. Und wenn ich alle Fenster zumach ist es nur ein kleines bisschen weniger laut, dafür aber ganz doof stickig. *Seufz*

Aleppo. Die Touri-Tour I

Auch in Aleppo gibt es eine Menge tolle Sachen zu sehen. Um in den Genuss dieser Sehenswürdigkeiten zu kommen, muss man seit neuestem aber erstmal als Ausländer bei der Anreise mit dem Bus sich einen Erlaubnis-Stempel bei einem Polizisten holen. Das ist nicht besonders schwierig, besonders wenn der Polizist total gelangweilt irgendwo in der Ecke vom Busbahnhof rumhängt. Wichtig ist das, was er da tut, aber trotzdem. Denn noch vor der Abfahrt kommt nochmal extra ein Geheimdienstler in den Bus um Stempel und Pass zu überprüfen. Ob die irgendwie schlechte Erfahrungen gemacht haben? Oder ist der beinahe weltumgreifende Kontrollwahn an Reisenden jetzt auch schon hier angekommen?

Allgemein gilt, dass Aleppo wesentlich konservativer ist als Damaskus. Trotz eines gewissen Touristenaufkommens werden Ausländer immer noch neugierig beäugt, grad so als wären wir grün und hätten ein drittes Auge mitten auf der Stirn. Das fängt schon auf dem Weg an, auf dem Busbahnhof in Hama, der für meine Zigarettenpause herhalten muss, glotzen die Kerle so offensichtlich, dass es schon extrem dreist ist. Aber es ist ja auch dreist, einfach so mit zwei (gut versteckten) Brüsten hier herumzustehen und zu rauchen. In Aleppo wird das nicht besser, aber es härtet ab, und danach kommt einem Damaskus in dieser Hinsicht ein kleines bisschen weniger schlimm vor.

Neben der allgemeinen Konservativität fällt als nächstes die hohe Armenier-Dichte ins Auge, sofern man ein Auge dafür hat. Enorm viele Geschäfte tragen armenische Namen (leicht erkennbar an der Endung -ian und auch an den immer wiederkehrenden gleichen Vornamen, das Armenische hat da scheinbar nicht allzuviel Auswahl), und wenn man es nicht am Namen erkennt, dann an der Schrift - etwa zwanzig Prozent der aleppinischen Bevölkerung sind armenisch. Dies Niveau hält sich, da Armenier für gewöhnlich innerhalb ihrer Gemeinschaft heiraten. Nicht selten wird mein Mann gefragt, ob er denn keine Armenierin gefunden habe, wenn ich vorgestellt werde. Aber sie meinen's nicht böse und finden es auch nicht arg schlimm. Die Begründung "Liebe" geht immer durch :). Aber ich schweife ab. Zurück zu den Sehenswürdigkeiten.

Am berühmtesten ist Aleppo wohl für seine Qal'a (Festung), die ungleich beindruckender als die damaszenische über der Stadt aufragt. Des Nachts kann man in ihrem Schatten sitzen und etwas in den zahlreichen Cafés am Fuß der Festung trinken. Um in die Festung zu kommen, muss man aber früher aufstehen. Der Eintritt kostet 150 SP für Ausländer, 15 SP für Syrer. Wenn man gerade keinen syrischen Ehemann vorzuweisen hat, hilft auch ein internationaler Studentenausweis. Man kann sich einer Führung anschließen, oder aber heimlich hinter dem Erklärbär hinterherlaufen und lauschen.. oder aber man smalltalkt freundlich mit jemandem, der sich ein bisschen auskennt, dann gibt es mit etwas Glück auch eine Führung für umsonst. Zu sehen gibt es beispielsweise das Hammam mit lauter lustigen Männekens darin, den Königssaal, das Gefängnis und eine Menge halb zerfallener Bauten. Im Übrigen gibt es von hier oben einen hervorragenden Ausblick über die ganze Stadt. In einem Souvenirshop kann man sich mit dem üblichen Touri-Kram eindecken. Ich habe mir ein Buch mit ein paar Erklärungen und einer Menge Bildern über die Festung gekauft.

Ebenfalls recht berühmt ist die Altstadt Aleppos mit ihren Suqs, immerhin ist sie Weltkulturerbe. Allzuviel Zeit blieb leider nicht, um ausgedehnte Streifzüge darin zu unternehmen, aber ein bisschen sind wir doch darin entlanggewandert. Die Aleppiner selbst scheinen nicht allzuviel mit ihrer Altstadt am Hut zu haben, weder mein Mann, noch sein hier lebender Cousin kennen sich in der Altstadt aus. Sie kommen hier normalerweise einfach gar nicht hin. Finde ich irgendwie seltsam, muss ich so aber wohl zur Kenntnis nehmen. Die Gassen sind enger als im Suq Hamidiye, am nachhaltigsten brennen sich die von den zahlreichen Fleischereigeschäften vor dem Laden präsentierten Schafsköpfe in mein Gedächtnis ein. Die wollen wir aber nicht kaufen, stattdessen einen Kilovorrat Seife, denn nichts geht über die aleppinische Ghar-Seife, je hochprozentiger olivenhaltig, desto besser. Mit meinem Mann an der Seite, der hier als Kind die Läden unter den Rolläden hinweg beklaut hat und dessen Vater ein Geschäft im Suq hatte (heute steht es leer) sehe ich mehr als "nur" ein Tourist.

Das nächste Highlight, den Pfaden des Lonely Planet folgend, ist die Omayyadenmoschee. Die heißt genauso wie die in Damaskus und scheint mir als Laie auch architektonisch recht ähnlich. Wie in Damaskus gibt es ein Heiligengrab, hier für einen gewissen Zacharias, und auch hier stecken die Leute dem Heiligen Geld zu. Ich versuche einen Blick ins Innere der vergitterten Kammer zu erhaschen, aber neben mir ergeht sich eine Muslima in unnachvollziehbaren Tönen in Wehklagen (?), und wie immer bei jedweder Art von religiösen Gefühlsausbrüchen bin ich mangels Empathiefähigkeit peinlich berührt und wende mich ab. Ebenfalls wie in Damaskus muss frau sich hier eine Ganzkörperverkleidung ausleihen, aber im Gegensatz zu dem blassbraunen Kartoffelsack dort gibt es hier einen modischen Zweiteiler, weiß geblümt. Mein Mann hat seine helle Freude daran, ich, die ich mich doch sonst immer über mittelöstliche Kleideretikette aufrege, werfe mir freiwillig so ein Ding über. Er kommt aus dem Grinsen kaum heraus und schießt ein Foto nach dem anderen davon. Sei ihm der Spaß gegönnt, das Leben bietet immer eine Möglichkeit zur Revanche (hier bitte giggeliges Hexenlachen vorstellen).

Die letzte Sehenswürdigkeit steht nicht im Reiseführer, ist aber mindestens genauso wichtig wie alle anderen zusammen: Das beste Eis der Welt! gibt es in einem kleinen, unscheinbaren Laden mit dem Namen "Salura", der sich in der Nähe des öffentlichen Parks befindet. Das ist keine hundertprozentig adäquate Wegbeschreibung, aber fragt euch bis dorthin durch, der anschließende Eisgenuss ist es wert. Hier wird das Eis tatsächlich noch "aus besten Zutaten" gemacht, nix Farb-und Konservierungsstoffe. Das Kirscheis ist so rot und schmeckt so intensiv nach Kirsche weil da eben auch kiloweise echte Kirschen drin sind. Schokolade ist auch unschlagbar super, mehr konnte ich leider nicht probieren, ich hatte vorher schon zuviel gegessen :(.

Blick über Aleppo Qal'a Aleppo - Hammam Qal'a Aleppo Omayyadenmoschee Aleppo I Omayyadenmoschee Aleppo II

Die Aleppo-Ennealogie
Aleppo. Die Touri-Tour II
Aleppinische Taxen
Eine syrische Braut II
Eine syrische Braut
Ein merkwürdiger Besuch
Auf Hotelsuche
Aleppinische Wasserspiele
Eine Zugfahrt, die ist lustig

Heller/Mosbahi - Arabische Erzählungen der Gegenwart

Arabische Erzählungen der Gegenwart

Das ist, wie es der Titel schon vermuten lässt, ein Sammelband mit zeitgenössischen arabischen Kurzgeschichten. Nach einer Einleitung, in der ein schlaglichtartiger Rückblick auf die Entwicklung der arabischen Literatur in den letzten Jahrhunderten geworfen wird, folgen die dreiunddreißig Geschichten, alphabetisch nach den Nachnamen der Autoren sortiert:

  • Henriette Abudi - Die Einladung
  • Ibrahim Aslan - Die Befähigung
  • Khannatha Bannuna - Blumen in Gefangenschaft
  • Muhammad al-Bisati - Der Kamelhändler
  • Ahmad Buzfur - Das Auge und das Erdbeben
  • Saad ad-Dusri - Die Löwin
  • Ahmad Ibrahim al-Faqih - Der Regen und die Träume
  • Gamal al-Ghitani - Exit
  • Jussuf Idris - Ein fleischliches Haus
  • Walid Ikhlasi - Der Wurm
  • Said al-Kafrawi - Sodrat al Muntaha - Lotusbaum im Siebten Himmel
  • Ghassan Kanafani - Der Verrückte
  • Idris al-Khouri - Zwei Gesichter
  • Muhammad Khudaijir - Das schwarze Reich
  • Ibrahim al-Koni - Die Zeit der Vögel
  • Izz al-Din al-Madani - Vor dem Aufbruch
  • Nagib Mahfus - Die Kneipe zur schwarzen Katze
  • Mustapha al-Mesnawi - Das Seil, der Junge und der Schreiner
  • Muhammad al-Minzi Kandil - Ein Ermordeter an irgendeinem Ort
  • Hassouna Mosbahi - Der Geburtstag des Präsidenten
  • Mu'nis ar-Razzaz - Mein zehntes Leben
  • Yasin Rifa'iya - Die Aschemänner
  • Idris as-Saghir - In einem Café am Ufer eines Flusses
  • At-Tayyib Salih - So, meine Herrschaften!
  • Salema Salih - Der Maulbeerbaum
  • Ghada Samman - Laila und der Wolf
  • Mahdi Ida as-Saqr - Eine Frau, die auf dem Bürgersteig sitzt
  • Hana asch-Schaich - Die Nacht der Frauen
  • Khairi Schalabi - Sembou
  • Yusuf asch-Scharouni - Die Hämorrhoiden
  • Zakariya Tamir - Des Leibhaftigen letzer Tag
  • Hasb Allah Yahya - Das Schloß
  • Muhammad Zafzaf - Eine Nacht in Casablanca

Zunächst einmal zu dem Projekt an sich: es ist meines Erachtens sehr gut gelungen, die verschiedensten Autoren aus aller Herren arabischer Länder mit ihren verschiedensten Erzählweisen vorzustellen. Neben der Einführung trägt zu diesem Gelingen bei, dass es im Anhang Worterklärungen, Kurzbiographien zu allen Autoren und eine Bibliographie der auf Deutsch/Englisch/Französisch erschienenen Werke der Autoren gibt. Das hilft, das Gelesene einzusortieren und bietet Möglichkeiten, sich darüber hinaus zu informieren. Das Manko dieses Buches (oder dieser Leserin): trotz einiger Informationen und so manchem Hinweis in der Einleitung, wie manche der Geschichten zu verstehen sind, bleibt der Leser (sofern er nicht schon sehr bewandert in arabischer Literatur ist) etwas ratlos zurück, ich jedenfalls hätte mir ein "Königs Erläuterungen" gewünscht, um auch zu verstehen, was ich da eigentlich lese. Sicher, eine gute Herangehensweise ist es zunächst einmal, zu überlegen, ob der Text irgendwie als Regime- oder Gesellschaftskritik aufgefasst werden könnte. Manchmal ist das relativ offensichtlich, aber bei der Geschichte über den Mann mit dem stets kränkelnden Hinterteil ("Die Hämorrhoiden") bin ich nicht drauf gekommen, dass es um Politik geht, erst als ich die Einleitung ein zweites Mal gelesen habe. Viele Geschichten haben entweder keine andere Ebene als die der gerade stattfindenden Erzählung, oder ich sehe sie nur nicht. Bei manchen Geschichten verstehe ich nicht einmal, was da gerade überhaupt passiert. Das beste Beispiel ist hier "Das Auge und das Erdbeben", da hätte selbst Kafka ehrfürchtig den Hut gezogen. Erst ist jemand ganz Auge, dann wird der Augenbrau gesattelt und auf ihm davongeritten, gemordet wird auch, in recht brutaler Wortwahl. Ich glaube, es geht um sexuelle Gewalt, aber ich will mich da nicht festlegen.

Es gibt aber auch Geschichten, die mir sehr gut gefallen. "Ein fleischliches Haus" ist sehr lesenswert, eine lustig erzählte Geschichte, die aber große Fragen nach Moral und Verantwortung aufwirft. Meine persönliche Lieblingsgeschichte und daher Leseempfehlung (und mit circa dreißig Seiten die mit Abstand längste Geschichte) ist "Laila und der Wolf".

Im Großen und Ganzen verdient das Buch also für die Vielfalt der Geschichten und Autoren und das gebotene "Drumherum" problemlos seine fünf Sterne. Dass einzelne Geschichten weniger begeistern können, liegt bei einem derartigen Querschnitt in der Natur der Sache, dass das Verständnis teilweise oberflächlich bleibt ein Problem, dem vor allem durch eines: noch mehr lesen!, abgeholfen werden kann.

5 Sterne

Bab Sharqi

Bab Sharqi

Das Wort zum Freitag (22.10.)

"It has been rumored that we have fired scud missiles into Kuwait. I am here now to tell you, we do not have any scud missiles and I don't know why they were fired into Kuwait."
Muhammed Saeed al-Sahaf

viaWe love the Iraqi Information Minister

Dienstag, 19. Oktober 2010

On the other side

liebe mia,
sehe da gerade auf deiner seite DAMASKUS 29 GRAD !
also ehrlich, wie schwierig es auch sein mag kleine mengen notwendiger lebensmittel einzukaufen, DAS wiegt es auf ! [...]
der himmel hängt so tief dass man meint ihn berühren zu können, es regnet, und die aussentemperatur hat sich auf 7 in worten :sieben grad eingependelt.
ja gut, hat auch was schönes, der kachelofen ist angenehm warm, der cay schmeckt besonders gut, dicke socken sind was gemütliches, und der fernseher kommt verstärkt zum einsatz :).
ich würde TROTZDEM gerne auf die vorher genannten dinge verzichten, wenn ich bloss im T-shirt und noch was rumrennen könnte. [...]

Liebe Schreiberin,
es bewahrheitet sich auch beim Wetter, was sich schon in manch anderen Bereichen (Beschaffenheit der Haare, Anwesenheit von Sommersprossen etc.) zeigt: auf der anderen Seite ist das Gras immer grüner. Egal auf welcher Seite man gerade ist. Sicher, 29 Grad sind toll. Gegen die Temperatur habe ich auch gar nichts einzuwenden. Ist ja erst seit kurzer seit Monaten so, dass man nicht vor Hitze zerfließt, ermattet sich Luft zufächelnd auf dem Sofa hängt und schon die Luftzufächelhandbewegung mehr Energie verbraucht als man eigentlich zu geben imstande ist. Toll ist es trotzdem nicht. Also die Temperatur an sich schon, man friert nicht und schwitzt auch nicht, das ist echt optimal. Leider aber befindet sich in dieser wohltemperierten Luft kaum ein Fünkchen O2, Sauerstoff, die Luft ist im wahrsten Sinne des Wortes stickig, überreich an Stickstoff. Tagsüber lässt es sich noch irgendwie aushalten, nachts ist es aber extrem unangenehm. Ich habe schon mehrere Nächte damit verbracht, mich einige Stunden lang von einer Seite auf die andere zu wälzen und mich alle paar Minuten aufzurichten bei dem Versuch, meine Lungen mit mehr Sauerstoff zu füllen, bis ich dann irgendwann im Morgengrauen in einen unruhigen Schlaf falle. Was würde ich zu dieser Zeit nicht geben für ein paar Atemzüge klirrend kalte Winterwaldluft! Zugegebenermaßen würde ich mich nach ein paar Wintertagen dann auch wieder in die syrische Wärme zurücksehnen. So isser halt, der Mensch... immer was anderes wollen. Aber das Leben ist nunmal kein Ponyhof ;)

Montag, 18. Oktober 2010

Khalil Gibran - Der Prophet

Dieses Zitat kennen sicher viele, ich erinnere mich noch daran, weil es in der Praxis meines Kinderarztes hing:

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch,
Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken,
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen,
Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.
*

Dieses Zitat stammt von Khalil Gibran, einem berühmten libanesischen Autor, und es stammt aus seinem berühmtesten Werk

Der Prophet

Dieses schmale Bändchen ist eine Sammlung der Lebensansichten und Weisheiten, die der Autor im Laufe seines Lebens gewonnen hat. Das Buch beginnt mit der geplanten Abreise des "Propheten" aus der Stadt, in der er viele Jahre geweilt hat. Die Bewohner bitten ihn, ihnen einige Fragen zu beantworten, damit sie auch ohne ihn eine Rechtleitung an der Hand haben. Sie fragen ihn zu so verschiedenen Themen wie Liebe, Ehe, Kinder, Arbeit, Schmerz, Geben, Häuser, Kleider, Gesetze, Freiheit... Zu jedem Thema spricht der Prophet seine weisen Worte und als sie schließlich das letzte Thema, "Tod", abgeschlossen haben, segelt der Prophet davon.

Nun fällt es schwierig, ein so hochgelobtes Buch und einen so berühmten Autor zu zerreißen, also will ich es vorsichtig formulieren: er hat das Rad nicht unbedingt neu erfunden. All die weisen Worte, blumig, wie es im Arabischen üblich ist, ausformuliert, bieten, so scheint es mir, letzten Endes nicht viel. Vieles davon lässt sich in weniger üppiger Ausformulierung in jedem Ratgeber finden ("Liebt einander, aber macht die Liebe nicht zur Fessel: Lasst sie eher ein wogendes Meer zwischen den Ufern eurer Seelen sein." - Von der Ehe), vieles ist redundant, manches ist höchst fragwürdig und bringt mich sehr zum Stirnrunzeln ("Der Rechtschaffene ist nicht unschuldig an den Taten des Bösen, und der mit sauberen Händen ist nicht rein von den Taten des Missetäters." - Von Schuld und Sühne). In der schon etwas älteren Übersetzung, die ich gelesen habe, wurde dies noch ausführlicher dargestellt, der Beraubte sei Schuld, dass er beraubt wurde, der Ermordete, dass er ermordet wurde etc. Es spricht für sich, dass dieses Stück in anderen Übersetzungen offenbar fehlt. Alles in allem kann ich in dem Buch nichts finden, was mich inspirieren, mir neue Einsichten eröffnen, meine Gedankenwelt bereichern würde.

Letzten Endes kann ich als Positives dem Buch lediglich abgewinnen, dass es, in guter Übersetzung (wobei ich hier keine Empfehlung geben kann), einige hübsche Sinnsprüche bietet, die in Schönschrift dahingepinselt recht nett an der Wand aussehen. Nur einen Stern zu vergeben fällt mir trotzdem schwer, aber wofür genau der zweite ist, das weiß ich auch nicht...

Zwei Sterne

* dieses Zitat und die folgenden zitiert nach Aandesound

Freitag, 15. Oktober 2010

Spaß mit Keywords II

15 Oct..........00:09:42..........www.google.de...........wie hält man sich bei happy wheels am seil fest

Spaß mit Keywords IV
Spaß mit Keywords III
Spaß mit Keywords

Und weg war er II

Jetzt ist er wieder aufgetaucht, der deutsche und unfreiwillig auch syrische Anwalt Ismail Abdi, in einem Gefängnis nahe Damaskus. Verwandte und die NGO KurdWatch haben ihn dort aufgestöbert, die Bundesregierung hat keine Informationen bekommen, da Syrien den Mann ja als Syrer betrachtet, nicht als Deutschen. Dem Mann soll nun der Prozess gemacht werden wegen "Falschaussage im Ausland". Seine Funktion als Vorsitzender der deutschen Zweigstelle des »Komitees zur Verteidigung der demokratischen Freiheiten und der Menschenrechte in Syrien« hat bestimmt üüüberhaupt nichts damit zu tun...

Und weg war er

Ungewöhnlich?

Ein ungewöhnlicher Anblick, der sich mir da beim Überqueren der Straße bietet: eine Frau überquert die Straße in entgegengesetzter Richtung, kommt mir also entgegen. Was ist ungewöhnlich an ihr? Nun, sie trägt Militärdress und mir als Uneingeweihtem macht die mit zahlreichen Abzeichen behängte Schulter den Eindruck, als sei die Dame in der Hierarchie nicht ganz unten angesiedelt. Ich hätte so spontan die Möglichkeit einer weiblichen Militärkarriere in Syrien eher gering eingeschätzt. Jetzt bleibt die Frage zu recherchieren: ist sie tatsächlich gering und diese Frau war eben die Ausnahme? Oder sind Frauen im Militär hier Normalität?

Eine kurze Recherche ergibt: ganz ungewöhnlich scheint es nicht zu sein, das Forward Magazine (das sich aber schon in der Selbstdarstellung als Jubelblatt zu erkennen gibt), schreibt:

In Syria, women were recruited into the military. At one time, there was a parachuting corps composed entirely of women. The secular and socialist-modernist thrust of the Baath cut against Arab and Islamic tradition and, in so doing, maintained a public posture of “open doors” for women in government, in universities, and in the workplace.
Quelle: Forward Magazine, "Why Syrian Women are so important" by Scott C. Davis

Laut Daad Moussa nahmen Frauen in allen syrischen Revolten und Kämpfen eine bedeutende Rolle ein.1 Einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt hat die erste Frau im Rang eines "Captain" oder "Honorary General", Nazek al-Abed (hier mit Bild), die 1920 in der Schlacht von Maysaloon kämpfte.

Zur aktuellen Situation konnte ich leider nichts finden, aber meine Begegnung spricht zumindest dafür, dass es weiterhin Frauen in der syrischen Armee gibt, wenn damit auch noch keine quantitative Aussage getroffen ist.

1Daad Moussa, "Syrian Women and Civil Society", S.4; Beitrag zum Fafo-Seminar "Women's Position in Syrian Society"

Mengenproblematik

Da gibt es noch etwas, das im Hinblick auf den täglichen Einkauf zu beachten ist: die Mengenproblematik. Syrer sind ja Familienmenschen, unter fünf Leute pro Haushalt kann man da kaum erwarten. Eher mehr. Wenn die jetzt für ihr Mittagessen einkaufen, kaufen die natürlich immer gleich ein paar Kilo Kartoffeln. Soviel brauchen wir aber nicht, und soviel braucht ein Singlehaushalt - ich verwette so einiges darauf, dass es dieses Wort so im Arabischen gar nicht gibt - schon gar nicht. Vor einiger Zeit wollte ich mal eine einzelne Zitrone haben. Der Verkäufer lachte und schenkte sie mir. Dann wollte ich vier Tomaten. Der Verkäufer guckte irritiert und schon hatte ich ein Kilo in der Hand. Hundert Gramm Oliven habe ich zwar bekommen, aber auch das wurde wohl für komisch befunden. Ich habe gelernt und weiß jetzt, dass man Obst und Gemüse nicht nach Stückzahl kauft, sondern nach Kilo, und unter einem halben Kilo braucht man da gar nicht erst anzufangen. Außer natürlich man will stets die eine Zitrone und eine Zwiebel geschenkt bekommen ;). Bei all den Krautbündeln ist es auch schwierig, denn wenn drei Bund Petersilie zehn Pfund kosten, und das kleinste gängige Geldstück fünf Pfund ist, wie kauft man dann ein Bund? Natürlich kann man bei dem Preis auch die drei Bund nehmen, aber dann kann man zweieinhalb davon entsorgen, und Essen wegwerfen gehört sich doch nicht.

Immerhin sind wir jetzt schon ein Zweipersonenhaushalt, und mein Mann erzählte lachend beim Alban wa-Ajban, bei dem er regelmäßig einkaufte, dass die Einhundertgrammkäse-Zeit nun endlich vorbei sei. Richtig, jetzt hat die Zweihundertgrammkäse-Zeit angefangen. Und das ist vermutlich nicht wesentlich weniger seltsam als zuvor.

Das Wort zum Freitag (15.10.)

I shook hands with a friendly Arab. I still have my right arm to prove it.
Spike Milligan

via Brainy Quote

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